Interview Intensivkrankenschwester Beatrice Krause TEAMBRENNER Lichtblicke

TEAMBRENNER Lichtblicke – Interview mit Krankenschwester Beatrice Krause

Verrückte Zeiten & die Welt steht Kopf. Wie sie diese Herausforderung bewältigen, welche ungewöhnlichen Wege sie gehen, was sich für sie persönlich verändert & was sie sich für die Zukunft wünschen – das haben wir zuversichtliche Menschen gefragt, die mit TEAMBRENNER eng verbunden sind. Heute mit Beatrice Krause, Intensivkrankenschwester aus München.

Stell dich bitte vor: Wer bist du? Für welches Unternehmen und in welcher Funktion arbeitest du?

Mein Name ist Beatrice Krause, ich bin 42 Jahre, glücklich verheiratet und Mama von zwei aufgeweckten Buben. Seit 20 Jahren bin ich Krankenschwester und seit 10 Jahren arbeite ich auf einer Intensivstation in München.

Du arbeitest an exponierter Stelle in diesen Zeiten. Es wäre schön, wenn du uns einen kleinen Einblick in deine Arbeit geben könntest!

Nun, wie gesagt, ich habe eine Ausbildung zur Krankenschwester hier in Leipzig und in Stuttgart gemacht. Schon in dieser Zeit fand ich besonders die Arbeit auf der Intensivstation interessant. Die Kombination aus intensiver Patientenbetreuung, das Hinterfragen von Krankheitsverläufen und der gezielte Einsatz hochentwickelter Technologie hat mich fasziniert. Mir war bewusst, dass es eine große Verantwortung sein wird, die schwerkranken Patienten zu betreuen, zu pflegen und dabei zu begleiten, wieder ins Leben zurückzukommen. Ich habe diese Herausforderung angenommen und es bisher noch nicht bereut, auch wenn es doch härter ist, als ich anfangs dachte.

Auf der Intensivstation, auf der ich seit 10 Jahren tätig bin, liegen Patienten mit schweren Herzerkrankungen (Herzinfarkt etc.), Gefäßerkrankungen (Aneurysmen), chronischen Atemwegserkrankungen (Pneumonie), Reanimationen und lebensbedrohliche Blutungen.

Seit letztem Jahr aber vor allem Patienten, die einen schweren Covid-19 Verlauf haben. Unsere Patienten sind nicht mehr in der Lage normale Körperfunktionen wie z.B. das Aufrechterhalten des Blutdrucks, selbstständiges Atmen, Nierenfunktionen und die Körpertemperatur selbst zu regulieren.

Meine Aufgaben sind die kontinuierliche Vitalzeichenkontrolle, pünktliche Medikamentengabe, Bilanzierung, Überwachung und Bedienung der Beatmungsmaschinen, Dialysen, Perfusoren und Infusomaten. Reagieren auf alle Alarme hat höchste Priorität. Außerdem übernehmen wir alle Aktivitäten des täglichen Lebens, wie z.B. die tägliche Körperpflege, die regelmäßige Lagerung, um zu verhindern, dass Wunden entstehen oder das bessere Belüften in der Bauchlage. Eine gute Zusammenarbeit mit Therapeuten und Ärzten ist sehr wichtig.

Intensivkrankenschwester Beatrice Krause im Interview TEAMBRENNER Lichtblicke

„… in Zeiten ewigen Personalmangels in der Pflege stellt sich die Frage: Auf Arbeit einspringen oder Zeit mit den Kids verbringen?!“

Wie ist die Stimmung unter Deinen Kollegen*innen? Uns interessiert natürlich auch, wie Ihr das Drängen nach mehr Lockerungen und Aufheben von Kontaktbeschränkungen seht?

Derzeit ist die Stimmung im Team eher angespannt. Viele Mitarbeiter reagieren gereizt, sind mental und körperlich ausgepowert, überarbeitet und urlaubsreif. Seit vielen Wochen herrscht ein rauer Ton.
Zum Thema Lockerungen und Kontaktbeschränkung bin ich geteilter Meinung, da ich nicht nur Krankenschwester bin, sondern auch Mama von zwei schulpflichtigen Kindern. Wir als Team hätten uns eher einen strengeren und früheren Lockdown gewünscht. An lockern haben wir lange überhaupt nicht gedacht. Das Arbeiten wurde uns auch nicht erleichtert, als wir 12 Stunden Schichten in voller Schutzausrüstung absolvieren und um das Leben der Patienten kämpfen mussten, die sich leider angesteckt haben und wir gleichzeitig aus dem Fenster geschaut und gesehen haben, wie sich die Leute im Park treffen oder sich zum Grillen verabreden.
Aber natürlich freue ich mich auch, wenn es wieder mehr Freiheiten gibt und wir uns wieder treffen können, ohne Angst vor Ansteckung.

Intensivpflegerin Beatrice Krause im Interview TEAMBRENNER Lichtblicke

Was hat dich in den vergangenen Wochen & Monaten besonders gefordert, was vermisst du in deinem Alltag?

Besonders gefordert hat mich der Ansturm von Patienten, denen es plötzlich sehr schlecht ging. Täglich haben wir gekämpft, therapiert, intubiert, gelagert und gehofft, aber den Kampf viel zu oft verloren. Verzweiflung machte sich breit. Der tägliche Umgang mit dem Tod ist an manchen Tagen unerträglich. Leider sind die Bilder aus dem Fernsehen bittere Realität.
Aber ebenso fordert mich der Spagat zwischen Arbeit und Familie. Ich habe immer 12 Stunden Dienste. Und nach solch einem Dienst noch Homeschooling gut betreuen und auch schöne (!) Freizeit mit den Kindern zu haben, ist schwer. Das ist schon eine besondere Leistung, für den Kopf und für den Körper. Regelmäßig Schlaf zu bekommen, ist jetzt noch schwieriger, als es zu „normalen“ Zeiten ist. Tja, und dann natürlich auch in Zeiten ewigen Personalmangels in der Pflege die Frage: Auf Arbeit einspringen oder Zeit mit den Kids verbringen?!
Im Alltag vermisse ich vieles, wie alle anderen auch. Einfach rausgehen, ohne sich Gedanken zu machen über Tests, Maskenpflicht, geöffnete oder geschlossene Läden. Treffen mit Freunden und der Familie, in den Urlaub fahren, mal wieder shoppen gehen.

Sicherlich hast Du ein ganz eigenes „Rezept“ um Dich zu motivieren, Abstand vom Klinikalltag zu bekommen und Dir einen Ausgleich zu schaffen. Was kannst Du uns davon mit auf den Weg geben?

Mein Ausgleich ist vor allem meine Familie: Mit meinen Jungs verbringe ich alle Zeit, die ich habe. Ich brauche das Lachen mit Ihnen, begleite sie zum Fußballturnier und zum Schwimmen, wir kuscheln gern vor der Glotze und kochen gern zusammen. Und unser kleiner Garten am Rande der Stadt, wo ich bei Sonnenschein die Seele baumeln lassen kann. Dort pflanze ich viel und freue mich, wenn etwas wächst, ich die Früchte meiner Arbeit ernte und ‘ne Erdbeertorte aus selbst geernteten Erdbeeren machen kann.

Liebe Bea, Du arbeitest seit über 20 Jahren im medizinischen Bereich. Was denkst Du, über welche Werte, aber auch Fähigkeiten man verfügen sollte, wenn man sich entscheidet, eine Ausbildung im Gesundheitswesen zu absolvieren?

„Man muss Menschen lieben!“ – das war der erste Satz, den wir in der Ausbildung lernten. Also Empathie für Menschen sollte man schon mitbringen. Vorher sollte man sich überlegen, ob man arbeiten möchte, wenn andere schlafen oder sonntags auf der Terrasse sitzen, Weihnachten, Ostern oder Silvester feiern.
Der Beruf ist sehr anspruchsvoll, sowohl körperlich als auch geistig. Das Gehirn muss immer hellwach sein, auch nachts um drei Uhr, wenn man zur Reanimation gerufen wird.

Stell dir vor, du könntest schon nächste Woche an einem richtig coolen After Corona TEAMBRENNER Event teilnehmen: Was würdest du kreieren & welcher Name stünde auf den Ankündigungsplakaten?

Da ich mein Leben am liebsten am Meer verbringe, würde ich eine Beach Party veranstalten. Mit viel warmem und weichem Sand, tanzen mit nackten Füßen, ohne Masken – dafür mit Cocktails. Der Name wäre „The new wave“.

Corona und die Intensivpflege Interview Beatrice Krause TEAMBRENNER Lichtblicke

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